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Rotenburg a. d. Fulda

Es geht nicht darum, unserem Leben Jahre, sondern unseren Jahren Leben hinzuzufügen.

Friedrich von Bodelschwingh

Begrüßungsansprache unserer
Vorsitzenden Frau Oberin i. R. Jutta Freistedt:

So, wie es überall bei uns gute Sitte ist, begrüße ich Sie herzlich, liebe Anwesende, verehrte Gäste, liebe Mitglieder,
Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen unseres Vereins.

Ich freue mich, mit Ihnen diesen Tag begehen zu können und wünsche uns allen ein gutes Gelingen. Seien Sie alle herzlich willkommen! Ich darf von Einzelbegrüßungen absehen.

Vor 10 Jahren gaben wir uns als Leitwort für unser Vorhaben einen Satz Friedrich von Bodelschwinghs:

    Es geht  nicht darum unserem Leben Jahre,
    sondern unseren Jahren Leben hinzuzufügen.

Dieser Satz ist nicht nur ein Motto, sondern ein Programm. Das Leben steht im Mittelpunkt unserer Arbeit, nicht der Tod. Das gilt auch für das heutige Fest. Es steht unter dem Motto: Wir feiern das Leben und gehen gemeinsam die Wege, die vor uns liegen. Auch und gerade über diese Zukunftswege können Sie sich heute informieren.

Erlauben Sie mir aber zuvor einen Blick auf unseren Anfang und auf das, was sich daraus entwickelt hat. Wir erinnern uns dankbar an die Menschen, die gewissermaßen den ersten Spatenstich getan haben. Die Initiative für diesen Verein kam aus der Bürgerschaft, genau gesagt aus dem Seniorenbeirat der Stadt Rotenburg. Und da besonders von Herrn Walter Frahnert und Herrn Werner Knöß. Für Herrn Frahnert war die Gründung des Vereins ein Herzensanliegen, das er mit Vehemenz vorangetrieben hat. Leider ist er nicht mehr unter uns. Aber ich bin froh, seine Frau, Sie liebe Frau Frahnert, als Mitfeiernde hier unter uns begrüßen zu können. Die praktische „Gehhilfe“ haben wir damals vom
Hospizverein Bad Sooden-Allendorf, besonders dessen Einsatzleiterin Frau Vander bekommen, die dem 1. Hospiz-Verein damals noch für die ganze Region Hersfeld-Rotenburg ihre Erfahrungen gern weitergegeben hat. Wir hatten und haben es gut, von Anfang an bis heute durch Herrn Knöß juristischen Beistand zu bekommen. Und nicht nur das, sondern auch  jegliche praktische Hilfe im bildlichen PR-Bereich. Danke! Und nicht zuletzt signalisierte Herr Franke schon vor der Gründung das Interesse und die Hilfe des Diakonie-Kreiskrankenhauses. Was hätten wir wohl machen sollen ohne ein Dach über dem Kopf, ohne eine Anlaufstelle mit „know-how“, einen Ort, wo wir uns treffen konnten und können, denn inzwischen sind wir ein Teil des Hauses geworden und umgekehrt – es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Ich denke, wir spüren es auch heute alle! Dabei geht es eben – nicht nur – um 4 Wände, sondern um eine Atmosphäre, in der sich die Menschen, die Hilfe brauchen und die, die Hilfe geben, geborgen fühlen. Und das ist besonders für die Menschen, die ihren letzten Lebensweg gehen, soo wichtig. Es ist selbstverständlich, daß die Sterbenden und Trauernden auch hier im Haus – wenn gewünscht – von uns betreut werden.

Unser Wunsch, – besonders von Herrn Franke unterstützt – hier in diesem Haus auch stationäre Hospizbegleitung zu ermöglichen, hat sich nun ebenfalls endlich realisieren lassen.

Da sich die Weichen dafür im vergangenen Elisabeth-Jahr stellen ließen, haben wir nun weder ein Hospizbett, noch gar ein Sterbe-Zimmer, sondern, wie Sie wissen, ein „Elisabethzimmer“, das Sie gern heute auch besuchen können.

Ja, am liebsten möchte ich alle aufzählen, die von Anfang - nicht nur zuschauend - an unserem Weg standen und stehen! Eminent wichtig sind unsere fast 150 Mitglieder, die uns ideell und finanziell mittragen und aus dieser Gruppe heraus alle unsere ausgebildeten Hospizbegleiter und Begleiterinnen. 60 sind inzwischen ausgebildet und 30 davon als Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zur Zeit aktiv. Sie, liebe Anwesende, werden heute erfahren, wie die Ausbildung und Einsätze gestaltet werden und sind. Beim Begriff „Ausbildung“ ist es mir ein Bedürfnis, von der „Seele“ unseres Vereins zu sprechen – es gibt noch eine 2., nämlich Schwester Irene, die mit ihrer eigenen Überzeugung für das Anliegen Hospiz andere zu überzeugen und zu motivieren vermag, eine begnadete Hospiz– und Palliativ-Schwester. Und das ist nicht übertrieben. Sie werden sie heute noch erleben!

Aber jetzt ist die Rede von Pfarrer Steckert. Ganz wichtig war für uns seine Kontakt-Aufnahme zur IGSL (Internationale Gesellschaft für Sterbebegleitung und Lebensbeistand), deren Begründer
Dr. Paul Becker, Bingen, der Motor für die Entstehung der Hospizarbeit in Deutschland war. Vielen von uns ist Dr. Becker bekannt. Er war ja auch mehrere Male bei uns. – Nachdem Pfarrer Steckert mehrere Seminare mit Ausbildungs-Zertifikat in Bingen durchlaufen hatte, konzipierte er die Ausbildung für unsere Hospiz-BegleiterInnen – nicht ohne sie fortlaufend weiter zu entwickeln – bis auf den heutigen Tag. Noch in diesem Monat beginnt eine neue Ausbildungsgruppe. 12 TeilnehmerInnen haben sich angemeldet.

Zur Ausbildung gehört die Fortbildung! Dafür gibt es unsere Offenen Hospizabende (OHA), zu denen allerdings auch die interessierte Öffentlichkeit eingeladen ist. Herrn Steckert gelingt es immer wieder, kompetente Referenten zu finden und zu engagieren, die es vermögen, unseren Vortragsraum zu füllen. Danke!

Nicht zuletzt entstehen 2 x im Jahr an seinem Schreibtisch die Hausmitteilungen für alle unsere Mitglieder, durch die jeder über die aktuellen Entwicklungen informiert wird. – Dabei ist auch immer wieder wichtig, die Presse und damit die Öffentlichkeit einzubeziehen ist ... was durch seine Zusammenarbeit mit unserer Mitarbeiterin Vera Walger hervorragend geschieht.

Wichtig zu erwähnen ist, daß es für alle, die Sterbende begleiten, auch selbst eine Begleitung geben sollte. Von Anfang an hatten wir es gut, Frau Karin Ruch als Psychologin in den Seminaren und Gruppenabenden zu haben, danach und bis heute Frau Neie. Wir sind ihr sehr dankbar für ihre Mitarbeit. Und eine Seelsorgerin haben wir in Frau Pfarrerin Altmüller mitten unter uns hier im Haus. Wie gut!

Ich habe in der Einladung an Sie alle geschrieben, daß wir nach 10 Jahren Hospizverein ein Dankfest feiern wollen. Wir haben allen Grund dazu, denn wir können uns über einen guten Weg freuen, über eine positive Entwicklung. Und wir können nur staunend danken für hoch motivierte Mitglieder und Hospizbegleiter, für ein Engagement im Ehrenamt, das überhaupt nicht selbstverständlich ist, zumal in einem Bereich, der für viele tabu ist. Und deshalb DANKE für alle Weg-Bereiter, Weg-Begleiter, für alles Dasein bei den Menschen, die uns brauchen.

Ich möchte zum Schluß kommen mit der Frage: „Wer wollen wir sein? Was wollen wir tun? ALS Hospiz-Mitarbeiter?“ Sie wissen: Hospize waren im Mittelalter Herbergen, Schutzräume, Rastmöglichkeiten für die Menschen auf ihren weiten, oft gefährlichen und dunklen Pilgerwegen auf ein Ziel zu! Hospizarbeit will diesen Raum gewähren auf dem oft mühsamen Weg unserer letzten Lebensstrecke in ein noch fremdes Land, zu dem wir alle unterwegs sind.

Wir Hospizarbeiter möchten dazu helfen, daß schwere Schritte erleichtert werden, daß Dunkelheit und Furcht bei der Grenzüberschreitung nicht lähmen, sondern daß Zuwendung und Wärme Leben bis zuletzt ermöglichen. Sie können heute erfahren, wie sich das praktisch gestalten kann. Danke!

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